Die chronische Reizblase

Jeder weiß, wie unangenehm bereits eine leichte Blasenstörungen sein kann: Brennende Beschwerden im Beckenbereich, häufiger Gang zur Toilette, schmerzhaftes Wasserlassen, trüber Urin. Die Heilung – ob mit Antibiotikum oder ohne – wird als große Wohltat empfunden.
Bei einer chronischen Reizblase jedoch kommen diese Beschwerden immer wieder, die Anfälligkeit nimmt zu und die Verzweiflung auch. Tag und Nacht wird man zur Toilette getrieben und zum Schluss dreht sich alles um die Frage, wann diese Reizzustände endlich einmal nachlassen.
Es gibt mehr Frauen als Männer, die an chronischen Reizblasen leiden. Dies hängt auch mit der Anatomie zusammen. Die weibliche Harnröhre ist kürzer als die männliche, was das Aufsteigen von Bakterien begünstigt. Ferner fördert die Nähe zum After das ständige Infiziert-werden über den Damm. Da jedoch jüngere Frauen in der Regel seltener Infekte aufweisen als ältere, kann die Anatomie nicht als alleiniger Verursacher verantwortlich gemacht werden.
Auch Männer können chronische Reizblasen entwickeln, wenn die Prostata den Urinkanal verengt, sodass Restharn, der immer einen Infektionsherd darstellt, angesammelt wird.
Für beide Geschlechter gilt: Hat sich die Blase mehrmals pro Jahr entzündet, kommt zum Infekt eine Schleimhautdegeneration hinzu, die wie jede chronische Schleimhautreizung, ob in der Nase oder im Dickdarm, das Krankheitsgefühl verstärkt, Neuinfektionen leichter macht und eine Spirale für chronische Beschwerden in Gang setzt.

Praktische Regeln
Tauchen Beschwerden auf, sollte man selbständig mit Urin-Teststreifen (z.B. Combur 5 Test® HC) zuhause klären, ob die Schmerzen auf eine gereizte Schleimhaut oder auf Keime zurückzuführen sind. Sind die Felder für Eiweiß und Erythrozyten nur leicht positiv, handelt es sich i.d.R. um eine Reizung, werden diese Testfelder stärker und die Nitrit-Reaktion positiv, bestimmt ein Keim das Geschehen.
Scheint es sich um eine Reizung zu handeln, gilt es zu allererst, den Reiz zu dämpfen. Dies gelingt mit pflanzlichen Substanzen (Harntee oder Extrakte, siehe Pflanzliche Hilfen) oder auch kurzfristig mit frei verkäuflichen Antiphlogistika wie Ibuprofen oder Naproxen. Ursächlich ist diese Behandlung nicht. Dazu mehr im Folgenden.

Frauen und Reizblasen
Ob junge Frauen, die die Pille nehmen, oder häufiger ältere Patientinnen mit Reizblasen – bei beiden Gruppen kann die hormonelle Dysbalance die Ursache sein. Östriolhaltige Gaben verbessern im Urogenitalraum lokal die Abwehrkräfte, regenerieren die Schleimhaut und sorgen für einen optimalen Feuchtigkeitshaushalt. Pro Woche werden vaginal bis zu 2 mg Östriol auf mehrere Gaben verteilt als Zäpfchen appliziert. In der Regel genügen jedoch 0,5 – 1 mg Östriol pro Woche. Nach ca. 3 Wochen wechselt man in eine niedrigere Erhaltungsdosis. Kommt es zu Rückfällen kann es sein, dass der Stoffwechsel insgesamt mehr Östrogen benötigt.
Regeneration des Blasenepithels
Neben der Wiederherstellung der hormonellen Versorgung im Blasengewebe ist die Regeneration des angegriffenen Bindegewebsstruktur dort von großer Bedeutung.
Bindegewebsaufbauende Rezepturen enthalten Glucosaminsulfat, Chondroitinsulfat und MSM.
Schlafen
Da sich eine chronische Reizblase immer auf die Schlafarchitektur auswirkt, gilt es, den Tiefschlaf durch abendliche Gaben von Magnesium 100 – 200 mg zu fördern.
Pflanzliche Hilfen
Ausspülhilfen (D-Mannose) und milde Desinfektion des Harnstrahls helfen, bakterielle Belastungen auszuheilen. Extrakte aus Bärentrauben und Goldrute haben sich besonders bewährt: Cystofink® Mono (Goldrute), Cystinol® (Bärentraube, Goldrute), Cystinol akut® (Bärentraubenblätter).
Reizblase bei Männern
Bei Männern ist nicht der lokale Östrogenmangel, sondern häufiger eine Östrogendominanz ursächlich beteiligt. Zuviel Östradiol oder Östron (Untersuchung im Blut) führen zum Anschwellen des Prostatagewebes. Mit progesteronhaltigen Rektalzäpfchen (anatomische Nähe zur Prostata) gelingt es, Östrogene aus ihren Rezeptoren innerhalb der Drüse zu drängen. Weidenröschen- (Epilobium aktiv®) oder Broccoli-Extrakte (P.E. DIM pro®, Wirkstoff Diindolylmethan) bauen mehr Östrogen ab und verzögern die Neubildung.

Allgemeine Maßnahmen
Es bietet sich immer an, bei chronisch gereizten Blasen den Magen-Darmtrakt mit zu behandeln. Reizblasen werden durch Darmbeschwerden, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Blase stattfinden, verstärkt. Therapeutische Maßnahmen hier nur im Überblick: Bitterstoffe, Curcuma, Darmbakterienmischungen oder diätetische Empfehlungen zu Vermeidungsdiäten (Histamin, Gluten, Milcheiweiß).
Weitere Aspekte
Akupunktur, Meridianarbeit, Beziehungsfragen klären.

Posted on Juli 18, 2018 in Dr. Schlett informiert, Gesundheitstips

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